Ich mache meinen Job als Versicherungskaufmann mittlerweile seit 1995. Also beinahe 25 Jahre. 25 Jahre, in denen sich viel verändert hat. Viele Dinge haben meinen Beruf aufgewertet. Zum Beispiel die Registrierung bei der IHK. Auch die Dokumentation der Beratung ist ein gutes und sinnvolles Instrument, was eine qualitativ hochwertige Beratung auszeichnet. Auch der Fortbildungszwang, der mittlerweile eingeführt wurden, ist ebenso sinnvoll. Auf diese Dinge kann man Stolz sein, weil unserer Berufsstand damit eben nicht mehr nach dem Sprichwort

„Wer nichts wird, wird Wirt. Und wem auch dieses nicht gelungen macht in Versicherungen“

arbeitet, sondern aufgewertet wurde. Vergleichbar mit wie der Stand eines Rechtsanwaltes, Steuerberaters oder Arztes. Doch dieses Sprichwort ist trotz all der vorher beschriebenen positiven Maßnahmen immer noch fest in den Köpfen verankert. Besonders bei Politik und Verbraucherschutz.

Was meine ich damit?

In der letzten Woche habe ich bei einigen Kundengesprächen natürlich wieder das aktuell sehr beliebte Zauberwort „Datenschutz“ in den Mund genommen. Muss ich machen, gehört zu meiner Arbeit. Bevor also eine Beratung überhaupt beginnen kann, muss dies ja erstmal geklärt sein.

Das ist ja auch richtig und gut so.

Jeder sollte wissen, was mit seinen persönlichen Daten geschieht. Das niemand damit Schindluder betreiben darf und sollte, muss eigentlich jedem völlig klar und einleuchtend sein. 

Allerdings stellt man dann beim Kundengespräch sehr schnell fest, dass diese eigentlich recht wichtigen Dinge niemand so wirklich interessiert. Interessieren tut es erst dann, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt oder tatsächlich mal ein Fehler unterlaufen ist.

„Wo muss ich unterschreiben?“

„Achja, das musste ich in der Apotheke ja auch unterschreiben.“

„Das kenne ich vom Friseur.“

Erklären muss man gar nichts mehr. Datenschutzerklärungen und die dazugehörigen Einwilligungen in die Datenverarbeitung werden wie im Internet fast blind unterschrieben. Was ich verstehe. Und auch nachvollziehen kann. Wer hat schon Lust, 10 DIN A 4 Seiten Kleingedrucktes durchzulesen, BEVOR die Beratung beginnt? Der Gesetzgeber und der Verbraucherschutz hatten dabei aber sicherlich eine andere Intention. Doch dann kam der deutsche Michel mit seiner deutschen Gründlichkeit.

Es hat nichts mehr mit Verbraucherschutz zu tun.

All dies Geplärre um Transparenz, Verständlichkeit usw. ist doch mittlerweile Irrsinn geworden. Irrsinn, der dafür betrieben wird, dass bestimmte Berufsgruppen ihre Berechtigung nicht verlieren. Bitte nicht falsch verstehen: ich will den Grundgedanken nicht verteufeln. Schutz soll für den einzelnen schon gegeben sein. Auch für die eigenen Daten. Ich habe nur ein Problem mit dem „wie“ – und besonders mit dem Umstand, dass man die Beweislast umgekehrt hat.

Beweislast – Umkehr.

Nun ist man solange schuldig, bis man seine Unschuld bewiesen hat. Und wenn man selbst nicht schuld ist, sondern ein Dritter, kann man für das Vergehen des Dritten haftbar gemacht werden. Gegenüber dem vermeintlich Geschädigten muss ich also erstmal selbst mein eigenes Portemonaie aufmachen. Im Innenverhältnis kann ich mich ja dann an den Dritten wenden und darauf hoffen, dass ich den mir entstandenen Schaden, insbesondere den Reputationsschaden, ersetzt bekomme. Aber dafür kann  man ja klagen. So will es das Gesetz.

Erstinformation. Kommunikationserklärung. Einwilligung zum Datenschutz. Versicherungsbedingungen. Besondere Bedingungen. Klauseln. Vereinbarungen. Antrag. Police. Damit kannst du jemanden tot schlagen. Aber damit wird nicht das getan, was der Kunde eigentlich will. 

Lösungen.

Lösungen will der Kunde. Lösungen für seine Probleme. Wenn ich eigenen Hausrat habe, und der abbrennt, möchte ich mir neuen Hausrat kaufen können. Mache ich versehentlich bei Bekannten etwas kaputt, möchte ich, dass dieser Schaden ersetzt wird. Springt ein Reh vor das Auto, dann soll der Schaden am Auto bezahlt werden. Dafür gibt es Lösungen. Und die möchte der Kunde haben. 

Natürlich: auch die Lösungen bedürfen Regeln. Mittlerweile ist es aber so, dass man bei Absicherung nur noch an Papierwust denken muss. Ich zumindest. Und mittlerweile auch mein Kunde. Die gewünschte „Transparenz“ ist dabei schon lange flöten gegangen. Und niemand merkt es. 

Wie einfach ist es online.

Wie schön ist es da im Internet, dass ich da alles einfach anhaken und durchklicken kann. Meiner Meinung nach ist die Flucht in die Selbstberatung die Vereinfachung dessen, was man „analog“ als Berater beim Kunden vor Ort nicht mehr leisten darf. 

Wem bringt diese neue Transparenz etwas? Habe ich dadurch eine Lösung? Ich denke nicht. Statt dessen wird alles viel mehr und immer weiter verkompliziert. So kompliziert, dass der Otto-Normal-Verbraucher resigniert alles unterschreibt, damit er an seine Lösung kommt. Und das nennt sich heutzutage dann neumodisch Verbraucherschutz. Und dieser Verbraucherschutz ist es, der zu Lasten der ehrlichen Berater geht. Verbraucherschutz, der Kunden nur noch Rechte und dem Berater nur noch Pflichten gibt. Alles sehr einseitig. Wo sind die Pflichten für den Kunden, wenn diese durch umfassendste Rechte des Kunden quasi ausgehebelt werden? 

All die neu gewonnene Transparenz sorgt lediglich dafür, dass immer mehr Wege und Möglichkeiten offenbart werden, um sein eigenes Wohl, seinen eigenen Vorteil heraus zu stellen. Nötigenfalls mit rechtlichem Beistand. Wunderbare neue Welt. 

Und in alledem, schön zwischen den Stühlen, da ist der Versicherungsmakler. Derjenige, der eigentlich im Lager des Kunden sitzt. Der aber vom Verbraucherschutz und von der Politik als „Provisionsgeier“ abgestempelt wird.

Über die soziale Verantwortung des Versicherungsmaklers spricht aber niemand.

Soziale Verantwortung?