Sapere aude

Wage es, weise zu sein!

Monat: Juni 2019

Wie man Schlaraffe wird oder was es mit der Roland-Nadel auf sich hat

Ein kleine Nadel am linken Revers des Sakkos, verziert mit einer kleine, weißen Perle: die Roland-Nadel. Als Schlaraffe freue ich mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn dieses Kleinod entdeckt wird und ich darauf angesprochen werde. Heute möchte ich einfach mal erzählen, wie man Schlaraffe wird oder was es mit der Roland-Nadel auf sich hat.

Die Roland-Nadel ist das Erkennungszeichen derer Schlaraffen: ein Blick genügt und schon ist jedem Schlaraffen bewusst, auch wenn dieser nicht in seiner Rüstung steckt, dass es sich bei dem Gegenüber um einen Schlaraffen handelt. 

Roland-Nadel der Schlaraffen

(c) CKH – schlaraffische Roland-Nadel am Revers

So einfach ist das. Aber so einfach ist auch Schlaraffia. Wir sind kein Geheimbund, keine Sekte noch sonst irgendein elitärer Club, wir sind Knappen, Junker und Ritter am Hofe der fungierenden Herrlichkeit.

Als ich Schlaraffia entdeckt habe, hatte ich das große Glück erst 22 Lenze jung zu ein. Und genau an dieser kleinen Perle war seinerzeit mein Blick hängen geblieben, an der Roland-Nadel. 

Ich entdeckte die Roland-Nadel

Ich entdeckte die Roland-Nadel am Revers meines Ausbilders, dem Ritter Ja klar, der sefti förste (wir Schlaraffen haben fast alle sehr skuril-lustige Namen). Mir war aufgefallen, dass er diese kleine Perle grundsätzlich immer trug. Nicht nur am Revers seines Sakkos. Auch an seiner Freizeitjacke. Sogar an seinem Wintermantel trug er sie. 

Ich wurde neugierig, wohl in der jugendlichen Hoffnung dem großen Geheimnis auf der Spur zu sein. Und so stellte ich die (für mich) bedeutungsschwere Frage, was es mit dieser Perle auf sich hat.

Der Ritter Ja klar fing an zu erzählen. Und er erzählte von Rittern und Junkern und Knappen, von Herrlichkeiten und Oberschlaraffen und vom güldenen Ball.

Kunst, Humor und Freundschaft.

Er sprach vom Umgang miteinander und erzählte, dass neben dem gelebten Wort „Kunst, Humor und Freundschaft“ Politik, Religion und Beruf (wir Schlaraffen pflegen von Profanei zu reden) verpönt, also nicht erlaubt sei (Schlaraffen reden im Schlaraffen-Latein).

Ritter Ja klar beschrieb die Herrlichkeit, die unfehlbar ist und dessen Wort das unbedingte Gesetz ist und von jedem Schlaraffen unabdingbar befolgt werden müsse. Ich beschreibe die Unfehlbarkeit dann gerne so: Wenn die Herrlichkeit dir sagt, dass dein grünes Hemd weiss ist, dann ist es weiss, und nicht grün. Nur dem Hofnarren ist es dann erlaubt, es rot oder blau zu nennen. Narrenfreiheit kann recht angenehm sein.

Wie man Schlaraffe wird oder was es mit der Roland-Nadel auf sich hat

Und so begann das Hinterfragen meinerseits und der Weg, wie man Schlaraffe wird oder was es mit der Roland-Nadel auf sich hat, hatte begonnen. Dies ging bestimmt über zwei drei Wochen, bis der Ritter Ja klar den Vorschlag machte

„Komm doch mal mit zur Krystalline.“

Zur was?

Nun, zuerst muss man wissen, dass die von mir begonnenen Frage und Antwort-Stunden etwa Ende Juni – Anfang Juli starteten. In der Sommerung wie wir Schlaraffen sagen. Und in der Sommerung trifft man sich eben zur Krystalline, und nicht zur Sippung. Die ist im Winter oder besser: in der Winterung.

Ahja, also treffen zur Krystalline. 

Gesagt – getan. Es war ein Freitag Abend, zu welchem wir uns in Dortmund mit anderen Rittern, Junker und Knappen in einem wohlbekannte Dortmunder Biergarten trafen. 

Es war schönstes Sommerwetter.

Das Wetter spielte an diesem Freitag Abend 1997 mit (ganz schön lange her…). Ein laues Lüftchen wehte, ideal also für ein kühles Erfrischungsgetränk, dem Quell (oder auch Pilsken wie der Dortmunder sagen würde).

Den zweiten Ritter Schlaraffias, den ich dann kennen lernte, war der Ritter Ochjut, der gemütvolle Lyriker. Ein Ritter der Truÿmannia, so nennt sich der Verein in Dortmund. In Münster ist es die Mimegarda, da komme ich her.

Ritter Ochjut, der Pate.

Ritter Ochjut war ein Herr älteren Semesters, zu diesem Zeitpunkt schon über 70 Lenze. Ein kleinerer, leicht untersetzter Herr mit einer Brille in seinem lustigen und erfahrenem Gesicht. Mit leichtem Berliner Dialekt. Und auf der anderen Seite saß dann mein Ausbilder, der Ritter Ja klar.

So eingekesselt erzählte mir Ritter Ochjut eine ganze Menge über Schlaraffia und bekam dabei große, leuchtende Augen. 

Und jetzt sitze ich hier selbst und bekomme ebenfalls leuchtende Augen, wenn ich an meinen Start in der Schlaraffia zurück denke. Und ich hatte unsagbares Glück, dass ich so früh dazu gefunden habe.

Schlaraffia ist nicht die Gunst später Stunde.

Zur Schlaraffia finden indes leider nur wenige und dann zumeist (aus meiner Sicht gesehen) sehr spät, viel zu spät im Leben, was sehr schade ist.

Schlaraffia bietet sehr viel. Mehr als sich manch einer vorzustellen vermag. Und ja, natürlich: wir sind auch ein Verein mit all den Vor- und Nachteilen, die ein jeder Verein so mit sich bringt. Doch in erster Linie sind wir Schlaraffen. Und stolz darauf. Und das sieht man deutlich an der Roland-Nadel.

Schlaraffia im Netz

Wer an dieser Stelle schon etwas neugierig geworden ist, der findet auf www.schlaraffia.org oder aber auf www.schlaraffen-freunde.com mehr über Schlaraffen, die Schlaraffia und das schlaraffische Spiel. 

Und wer mal mit dabei sein möchte: unter www.mimegarda.de kann man sich gerne melden.

Wie man Schlaraffe wird oder was es mit der Roland-Nadel auf sich hat – darüber gibt es auch in Zukunft sicher noch einiges zu berichten. Darum: sapere aude!

 

Soziale Verantwortung als Versicherungsmakler

In einem meiner letzten Gedanken zum Thema Datenschutz, Verbraucherschutz und der Versicherungsmakler bin ich im Kern auf den wesentlichen Punkt unserer Arbeit gekommen: Die soziale Verantwortung als Versicherungsmakler.

„Soziale Verantwortung als Versicherungsmakler?“

Ja, soziale Verantwortung als Versicherungsmakler. Wir sind nicht nur einfach Treppenterrier, Klinkenputzer oder der Onkel von der Versicherung. Als Versicherungsmakler sollten wir gewissermaßen Teil der Familie sein, ganz ähnlich dem Hausarzt oder dem Rechtsanwalt oder dem Steuerberater. All diese Menschen werden regelmäßig besucht oder man hat regelmäßig Kontakt mit ihnen. Ganz selbstverständlich. Und selten werden die Personen gewechselt, meistens nur dann, wenn es zu einem Vertrauensbruch kommt.

Keiner ist sich meines Erachtens nach der sozialen Verantwortung bewusst, die unsere Branche, insbesondere der Berufsstand der Versicherungsmakler, dem Versicherungsmakler höchst selbst auferlegen ist. Und dennoch schafft es unserer Berufsstand, sich selbst das Leben schwer zu machen. Zumindest soweit ich das aus der Presse usw. verfolge und interpretiere.

Die eine Krähe sticht der anderen das Auge aus.

Unser Berufsstand schafft es nicht mal eine wirklich gemeinsame Lobby zu bilden und gemeinsam und mit einer Stimme sprechend den Berufsstand zu stärken. Zig Verbände, von denen der eine besser ist als der andere. Jeder macht hier sein eigenes Süppchen. Das geht sogar soweit, dass die eine Krähe der anderen ein Auge aussticht. Unser Unternehmen hat dies schon erlebt. Darüber hinaus gibt es noch andere Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit. Der eine oder die andere weis, was ich meine, wenn man die einschlägigen Pressemeldungen in Funk und Fernsehen verfolgt.

Blöderweise führt dieses Gehabe zu nichts. Hierdurch wird weder unser Berufsstand gestärkt, noch wird hierdurch irgendeine Veränderung statt finden. Ganz im Gegenteil. Die Uneinigkeit sorgt eher dafür, dass sich andere lachend auf den Schenkel klopfen und vor Lachen dann kaum noch in den Schlaf kommen.

Und genau das passiert meiner Meinung nach aktuell.

Aktuell versucht Politik und Verbraucherschutz mit aller Gewalt den Berufsstand des Versicherungsmaklers (aber auch der gesamten Versicherungsbranche) regelrecht zu vernichten. Ein Feldzug sondergleichen wird dort betrieben, Zumindest habe ich seid einiger Zeit genau diese Gefühl. Aber alles wird ja nur zum „Wohle“ des Kunden gemacht. Dabei ist die ganze Diskussion um Qualitätssteigerung im Versicherungs(makler)vertrieb eher eine Neid-Debatte. 

Die Neid-Debatte.

Eine Debatte darüber, dass man ja nur gut beraten könne, wenn keine Provision gezahlt wird. Das würde die Rendite der Lebensversicherungen steigern. Aber der neue heilige Gral wird hier die Qualität steigern, wird alles besser und schöner machen: die Honorarberatung. Ehrlich? Mal Hand auf´s Herz: Ehrlich? Wer das glaubt, glaubt sicher auch daran, dass zu Weihnachten der Osterhase im Nikolauskostüm durch den Schornstein saust.

Alles Humbug. Reiner Humbug.

Gar nichts wird dadurch verbessert. Schon gar nicht durch Honorarberatung. Auch der Verbraucher hat hierdurch keine Steigerung seiner Rendite.

Wie auch?

Die Rendite haben Zentralbanken und politisches Missmanagement spätestens seid der Finanzkrise 2008 zunichte gemacht. Sehr erfolgreich sogar. Und konsequent.

Billiges Geld bedeutet für den Staat leichter auf Pump leben. Die Inflation tut ihr übriges dabei. Schleichende Enteignung – so könnte man es bezeichnen. Die Quittung hierzu kommt dann von den nächsten Generationen, wenn diese in den Ruhestand gehen – oder besser gehen möchten und dies nicht können.

Auch denke ich nicht, dass Beratung nichts kosten darf. Wer will schon in Zeiten des Mindestlohnes kostenfrei arbeiten? Du etwa?

Provisionen und Provisionsvertrieb sind gut und wichtig.

Der Provisionsvertrieb ist nicht nur gut, sondern auch wichtig. Und er ist nicht nur wichtig sondern existenziell für die Beratung in der breiten Masse. Zudem ist diese Art der Vergütung auch noch fair. Und genau der richtige Weg.

„Fair?“

Ja, wirklich: fair. Diese Art der Vergütung macht einen wichtig Punkt in unserer sozialen Verantwortung aus. 

Im Allgemeinen wird vom Verbraucherschutz und Politik immer orakelt, dass der provisionsgeführte Vertrieb nur das Schlechte aus dem Versicherungsverkäufer, hier zum Beispiel dem Versicherungsmakler, hervorrufen würde, weil dieser dann ach so viel an seiner Arbeit verdient.

Aber ist das wirklich so?

Und vor allen Dingen: hat man nicht das Recht, Geld mit seiner Arbeit zu verdienen?

Wie viel verdient man denn am erfolgreichen Verkauf einer Berufsunfähigkeitsversicherung? Oder einer Krankenzusatzversicherung? Und was bekommt man für die Vermittlung einer Sachversicherung?

Für das damit verbundene Risiko, dass einem eventuell ein handwerklicher Fehler unterlaufen könnte definitiv zu wenig. Doch dazu werde ich mich später separat auslassen.

Wichtig ist erstmal zu verstehen, dass es einen Experten braucht, um die verschiedenen Stränge im Leben zusammen zu fassen.

Bei Krankheit: Arzt.

Das versteht jeder. Bei Krankheit geht jeder automatisch zum Arzt. Der diagnostiziert, behandelt und wenn alles gut läuft, bin ich schnell wieder gesund. Vielleicht muss ich mal ins Krankenhaus und der Aufenthalt dauert etwas länger. Unter Umständen ist die Fahrt ins Krankenhaus auch ein Abschied für immer. 

Wie dem auch sei: Als Versicherungsmakler muss man dies im Blick haben. Es geht nicht darum, den Krankenhausaufenthalt mit einem Krankenhaustagegeld zu versüßen. Auch das Ein- oder Zwei-Bett-Zimmer ist nicht existenziell (wenngleich aber ein sehr angenehmer Effekt, der zur Gesundung beitragen kann). Existenziell ist vielmehr, dass ein Versicherungstarif Leistungen ggf. über der Gebührenordnung der Ärzte Leistungen vorsieht. Genauso wie Leistungen für den Spezialisten bzw. den Privatarzt. 

Auch meine gewohnten Bezüge sollten man langer Krankheit weiterlaufen. Das sind aber nur finanzielle Dinge – dazu gehört auch der Blick auf die Behandlung im Krankenhaus – die Patientenverfügung. Auch hier ist die Aufgabe, dies anzutriggern und erste Lösungsansätze bereit zu stellen.

Das Steuerrecht.

Da gibt es auf der anderen Seite das Steuerrecht. Wir als Versicherungsmakler wissen, wie man Lösungen für steuerliche Aspekte versicherungstechnisch umsetzen kann. Gemeinsam mit dem Steuerberater, der dem Grunde nach „nur“ Steuern kann, lösen wir eventuell vertrackte Situationen. Erbschaft kann hier so ein Thema sein, genauso wie die Schenkung, Betriebsübergabe und so weiter und so weiter. Als Versicherungsmakler sollte man dies ebenfalls im Blick haben.

Dazu die Vorsorge.

Ich muss als Versicherungsmakler wissen, welche Not entstehen kann, wenn man finanzielle Risiken nicht abdeckt. Ich spreche hier von meiner Arbeit als „präventiven Sozialarbeiter“ (wenn ich das erzähle, werde ich gerne mal belächelt) – ich aber trage Sorge dafür, dass mein Kunde für den Fall der Fälle die finanziellen Sorgen abfedern kann. Das kann eine Krankheit sein, aber auch ein Unfall oder ein Naturereignis oder oder oder. 

Das Wissen und die Erfahrung, die sich im Laufe der Zeit ansammelt, kann keine K.I. ersetzen, zumindest heutzutage noch nicht. Und mal eben selbst löst man selbst als Laie diese Dinge eben nicht, auch nicht mit den einschlägigen Vergleichsportalen.

Hier gibt es nämlich noch weitere Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt als nur mal eben einen Beitragsvergleich zu machen.

Vorsorge ist nicht gleich Vorsorge.

Was passiert denn zum Beispiel, wenn der Versorger nicht mehr ansprechbar ist und zum Pflegefall wird? Wer wird die Betreuung übernehmen? Welche Person kümmert sich um die finanziellen Belange in Zukunft? Und was ist, wenn Vater und Mutter der minderjährigen Kinder plötzlich ausfallen, sei es durch Tod oder durch einen Unfall, in welchem diese für die Zukunft ihren Job als Eltern nicht mehr ausüben können? – Auch ein Aspekt meiner Arbeit.

Rechtliche Aspekte.

Hierfür gibt es dann Rechtsanwälte und Notare, die diesen Bereich perfekt abarbeiten können. Aber versicherungstechnische Lösungen bieten diese eben nicht. Und ein Rechtsanwalt oder Notar weist dich auch nicht automatisch auf eventuelle Problematiken in diesem Bereich hin. Das ist mein Job als Versicherungsmakler.

Bundesgenosse des Versicherten.

Der Versicherungsmakler (also ich zum Beispiel) ist Bundesgenosse des Versicherten. Bei mir sollten alle Fäden zusammenlaufen, so dass wie von einem Kontrollraum heraus die anderen Fachbereiche wie der Steuerberater und / oder der Rechtsanwalt / Notar und / oder Arzt und ggf. andere Fakultäten mit ins Boot genommen werden können.

Es geht nicht primär darum, möglichst viele Policen an den Mann, die Frau oder den / der / das Diverse zu bringen, sondern in erster Linie ganzheitliche Beratung zu bieten, und das lebenslang, eben als Bundesgenosse. 

Mein Job und der meiner Kollegen und Kolleginnen geht weit über reinen Policenverkauf hinaus, und das von der Wiege bis zu Bahre, möglichst ohne Formulare.

Das ist soziale Verantwortung als Versicherungsmakler. Für den einzelnen, aber auch für die Gemeinschaft.

Sapere aude!

 

 

 

 

 

 

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