Sapere aude

Wage es, weise zu sein!

Schlagwort: Kunst

Kunst Humor und Freundschaft

Die drei Tugenden

Kann es denn etwas schöneres geben, als sich den drei Tugenden Kunst Humor und Freundschaft zu widmen? – Eine rhetorische Frage, sicherlich. Aber wo kann man diese Tugenden noch erleben? Die Antwort auf diese Frage ist einfach: in der Schlaraffia.

Natürlich ist auch in der Schlaraffia nicht immer nur alles Friede, Freude, Eierkuchen. Auch hier gibt es bisweilen Situationen, die kaum an die heeren Ziele der Schlaraffia erinnern. Persönliche Befindlichkeiten sind hier immer ein Thema. Besonders oder gerade weil wir auch nur Menschen sind. Und so muss man sich immer wieder an die drei Tugenden erinnern:

Kunst Humor und Freundschaft

Schlaraffia ist ein Freundschaftsbund. Ein Freundschaftsbund, der in seiner Gestaltung und seinem Wirken weltweit – so möchte ich sagen – einzigartig ist. Mir ist jedenfalls kein Bund, keine Vereinigung oder sonst irgendeine Gruppierung bekannt, die so viel Freude bereiten kann wie die Schlaraffia. 

Überall  auf der Welt, wo der Schlaraffe in ein Reych einreitet (wir sagen „Reych“ zum profanen Verein) wird er stets mit offenen Armen freundschaftlich empfangen. Wir sprechen hier von der schlaraffischen Freundschaft, die wir äußerlich zum Beispiel mit der Roland-Nadel an unserem Revers ausdrücken. Am Stinkross (so nennen wir das profane Automobil) ist zumeist gut sichtbar ein zwinkernder Uhu angebracht, an welchem auch ein Sasse (so nennen wir das profane Mitglied des profanen Vereines) erkennbar ist. 

Der Spiegel der Gesellschaft

Doch auch die schlaraffische Freundschaft wird bisweilen stark beansprucht – aktuell erleben wir weltweit – auch in der Schlaraffia -, wie sich die Gesellschaft in der aktuellen Form widerspiegelt. Dabei sollte es eigentlich anders herum sein. Schlaraffia ist der Spiegel der Gesellschaft, und zwar persiflierend. Wir nehmen humorvoll – damals wie heute – alles nicht so bitter ernst. Ganz so, wie es die Urväter im Ursprung getan haben. Kunst Humor und Freundschaft sind die Tugenden, mit denen wir uns hier zumeist erfolgreich zur Gegenwehr des profanen Alltages setzen – aller Unbillen zum Trotz. 

Es gibt jedoch auch Situationen, in denen der Einzelne Schlaraffia viel zu wichtig nimmt. Dabei ist das Spiel, dass uns die Allmutter Praga (so nennen wir den ersten schlaraffischen Verein) geschenkt hat, nichts weiter als ein Spiel. Und so müssen wir es auch behandeln. Da ist es egal, welche Würde oder welches Amt man im Spiel bekleidet. Mal ist man der eine, mal ist man der andere. Und natürlich setzt sich ein jeder mit mit all seinen Möglichkeiten ein. 

Diese Besonderheit, das Engagement eines jeden einzelnen, sorgt letzten Endes dafür, dass ein jeder, egal welchen Alters, aus dem Alltag (wir nennen das die Profanei) entfliehen kann. Ein Abend in der Schlaraffia ist wie ein geistiger Urlaub aus der manchmal tristen profanen Welt. Mir jedenfalls gibt jeder Abend in unserer Mimegarda einen wirklich freien Kopf: Spass und Freude mit Freunden, um dem gehobenen Unsinn zu frönen und all den Sorgen, Ängsten und Nöten zu entsagen. 

Eine Frage des Alters?

Die Engagiertesten unter uns sind zumeist auch  mit einem Amt oder einer Wahlwürde verknüpft. Doch muss man eine Wahlwürde oder Amt auch an sein persönliches Engagement knüpfen? Muss ich allem Engagement entsagen, wenn ich meiner Würde oder meines Amtes nicht mehr inne bin?

Die Antwort auf diese Frage scheint mir zunehmend im Alter des Einzelnen zu liegen. Je älter an wird, desto unflexibler wird man. So scheint es oftmals. Aber ist das wirklich so? – Diese Frage kann ich nicht wirklich beantworten, sondern aktuell nur sehen und erleben. 

Und dennoch funktioniert Schlaraffia in den 98% aller Fälle, faszinierender Weise ohne auf das Alter zu sehen. Jeder bringt sich ein, egal ob 25 Jahre alt oder 90 Jahre jung.

Festhalten an Traditionen

Das Festhalten an Traditionen, wird in unserer multimedialen Welt nicht einfacher. Dabei sind Traditionen wichtig. Sie geben uns halt in einer immer schneller werdenden Welt. Traditionen bieten einen Anker, um nicht weggerissen zu werden. Dieses Traditionen bietet Schlaraffia, obwohl auch wir Schlaraffen nicht hinterwäldlerisch sind, auch wir gehen (gehen, nicht rasen) mit der Zeit. Wo früher Papier und Stift die Fechsung (so nennen wir das selbst verfasste Werk) hervorbrachten, sind es heute Smartphone und andere Geräte, die dann in das schlaraffische Spiel zur Rostra (unserem Rednerpult) mitgebracht werden. Ein scheinbar offener Bruch – aber nur scheinbar.

Auch die Schlaraffia befindet sich in einem Wandel. Und das ist auch gut so. Aber wir halten an unseren Traditionen fest. Und das ist noch besser.

Kunst Humor und Freundschaft

Denn Kunst Humor und Freundschaft ist etwas, was es nicht überall gibt. Umrahmt von den tragenden Säulen der Freundschaft können wir beschwingt der Kunst und dem Humor folgen. Und zwar jeder nach seinen Möglichkeiten, egal ob gut oder schlecht. In der Schlaraffia gibt es keinen Leistungsdruck, etwas tun zu müssen. Wir können etwas tun. Und wenn wir etwas tun, merken wir schnell, dass auch andere begeistert sind und mitmachen.

Das einzige, was wir machen müssen, ist es zu tun und mitzumachen. 

Sapere aude!

 

 

Der Hofnarr der Mimegarda

Ein kleiner Einblick ins Sippungsgeschehen

Wie ein jeder Schlaraffe weiss, gehört zum Spiel der Schlaraffen auch der Hofnarr der Mimegarda, ok – generell reicht der Hofnarr eines jeden Schlaraffenreyches, es muss nicht überall der Hofnarr der Mimegarda sein.

Es ist gar nicht so einfach, diese Aufgabe umzusetzen. Ob ich diese Aufgabe gut gemacht haben? Das weiss nur Uhu zu beurteilen. 

Der Hofnarr der Mimegarda, der als letzter dem Thron die letzten Nerven geraubt hat (ein gewisser Ritter Ass-Cura-T(h)or (209)), hat unter anderem zwischendurch die Gäste auf seine ganz persönliche Art und Weise begrüßt. 

Die Begrüßung

Marotte Mimegarda

Die Marotte des Hofnarren der Mimegarda

Eigentlich ist es wichtig, dass der Hofnarr in jedem Reych der Schlaraffia zuerst begrüßt wird. Obwohl der damalige Hofnarr sich teilweise sogar ins Spalier gestellt hatte, umgingen im wahrsten Sinne des Wortes einige Ritter die „ausströmende Fluidizität aller geistigen Möglichkeiten der fungierenden Herrlichkeit“ (§1 Absatz 2 des Hausgesetzes der Mimegarda) und begrüssten den fungierenden Oberschlaraffen zuerst. Schrecklich (so mancher hat da das Spiel nicht wirklich verstanden, wie ich mir hier erlaube mitzuteilen).

Also musste eine Lösung her.

Der Hofnarr der Mimegarda und seine Lösung

Die Lösung war sich ein wenig vorzubereiten und dem Fungierenden bei der Begrüßung der Gäste in die Parade zu springen. Dafür musste natürlich gefechst werden – relativ spontan, umso holpriger war es dann auch – hier sei das Erstlingswerk mal dargeboten:

(Zum Ordensfest in der Mimegarda a.U. 154)

 

Es ist seit jeher guter Brauch,

kommen Gäste, begrüßt man sie auch!

Und damit der Gast nicht kommt in Nöten

(die Erziehung geht sonst wohl flöten)

Ihr Gäste hört:

 

Man sieht sie gar nicht selten

Die Gestalten, die am Throne welken!

Und will man sie beim Namen nennen,

muss man sie noch kennen!

 

Dieser dort an Randes Licht,

nicht der andere da, der and´re Wicht,

der hier, Leib-haftig ohn Sombrero,

nennt der Truchsess Campagnero!

 

Jennen hier, der aus dem Unterholz,

der ist besonders stolz

wenn der krächst und röhrt

Und schaut dabei verstört,

der Truchsess nennt den Öhrliböhrt!

 

Und dieser hier, ihr riecht es schon,

der mit dem Schal vom Leo ohne Deo

den nennt der Truchsess Navideo!

 

Und wenn der eine in der Mitte steht,

und der gebannt nach vorne stiert

bei Uhu – wie der wohl heißt?

 

Da war der Truchsess schon, wie man weiß

Das war der, der so vornehm sprach

„Als Zeichen Eurer Bürde,

nehmt diese kleine Hürde

und tragt es nun mit Würde!“

 

So Ihr Gäste, nun ist´s klar!

Alles dies ist hier wirklich wahr!

Seid willkommen hier –

Dem Hofnarr ist ´s ein Plesier

Jeden zu Begrüßen,

bei mir braucht ´s kein buckeln,

kein Kriechen zu den Füßen!

 

So nehmt denn hin den Handschlag des fungierenden Hofnarren!

 

Lulu!

(Rt. Ass-Cura-T(h)or der neunmalkluge Held (209)

 

Schlaraffia bietet so viel – und die wenigsten nutzen diesen Hort des geistigen Urlaubes von der Profanei: keine Politik, keine Religion, kein Beruf. Einfach nur Kunst, Humor und Freundschaft – Urlaub für den Geist und Vitamine für die Seele!

Doch wie wird man eigentlich Schlaraffe und woran erkenne ich Sie? Die Roland-Nadel gibt hier ein wenig Aufschluss, und wer interessiert ist, der klickt dann hier. Vielleicht seid Ihr dann auch bald bei uns ein neuer Pilger!

 

Sapere aude!

 

Wie man Schlaraffe wird oder was es mit der Roland-Nadel auf sich hat

Ein kleine Nadel am linken Revers des Sakkos, verziert mit einer kleine, weißen Perle: die Roland-Nadel. Als Schlaraffe freue ich mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn dieses Kleinod entdeckt wird und ich darauf angesprochen werde. Heute möchte ich einfach mal erzählen, wie man Schlaraffe wird oder was es mit der Roland-Nadel auf sich hat.

Die Roland-Nadel ist das Erkennungszeichen derer Schlaraffen: ein Blick genügt und schon ist jedem Schlaraffen bewusst, auch wenn dieser nicht in seiner Rüstung steckt, dass es sich bei dem Gegenüber um einen Schlaraffen handelt. 

Roland-Nadel der Schlaraffen

(c) CKH – schlaraffische Roland-Nadel am Revers

So einfach ist das. Aber so einfach ist auch Schlaraffia. Wir sind kein Geheimbund, keine Sekte noch sonst irgendein elitärer Club, wir sind Knappen, Junker und Ritter am Hofe der fungierenden Herrlichkeit.

Als ich Schlaraffia entdeckt habe, hatte ich das große Glück erst 22 Lenze jung zu ein. Und genau an dieser kleinen Perle war seinerzeit mein Blick hängen geblieben, an der Roland-Nadel. 

Ich entdeckte die Roland-Nadel

Ich entdeckte die Roland-Nadel am Revers meines Ausbilders, dem Ritter Ja klar, der sefti förste (wir Schlaraffen haben fast alle sehr skuril-lustige Namen). Mir war aufgefallen, dass er diese kleine Perle grundsätzlich immer trug. Nicht nur am Revers seines Sakkos. Auch an seiner Freizeitjacke. Sogar an seinem Wintermantel trug er sie. 

Ich wurde neugierig, wohl in der jugendlichen Hoffnung dem großen Geheimnis auf der Spur zu sein. Und so stellte ich die (für mich) bedeutungsschwere Frage, was es mit dieser Perle auf sich hat.

Der Ritter Ja klar fing an zu erzählen. Und er erzählte von Rittern und Junkern und Knappen, von Herrlichkeiten und Oberschlaraffen und vom güldenen Ball.

Kunst, Humor und Freundschaft.

Er sprach vom Umgang miteinander und erzählte, dass neben dem gelebten Wort „Kunst, Humor und Freundschaft“ Politik, Religion und Beruf (wir Schlaraffen pflegen von Profanei zu reden) verpönt, also nicht erlaubt sei (Schlaraffen reden im Schlaraffen-Latein).

Ritter Ja klar beschrieb die Herrlichkeit, die unfehlbar ist und dessen Wort das unbedingte Gesetz ist und von jedem Schlaraffen unabdingbar befolgt werden müsse. Ich beschreibe die Unfehlbarkeit dann gerne so: Wenn die Herrlichkeit dir sagt, dass dein grünes Hemd weiss ist, dann ist es weiss, und nicht grün. Nur dem Hofnarren ist es dann erlaubt, es rot oder blau zu nennen. Narrenfreiheit kann recht angenehm sein.

Wie man Schlaraffe wird oder was es mit der Roland-Nadel auf sich hat

Und so begann das Hinterfragen meinerseits und der Weg, wie man Schlaraffe wird oder was es mit der Roland-Nadel auf sich hat, hatte begonnen. Dies ging bestimmt über zwei drei Wochen, bis der Ritter Ja klar den Vorschlag machte

„Komm doch mal mit zur Krystalline.“

Zur was?

Nun, zuerst muss man wissen, dass die von mir begonnenen Frage und Antwort-Stunden etwa Ende Juni – Anfang Juli starteten. In der Sommerung wie wir Schlaraffen sagen. Und in der Sommerung trifft man sich eben zur Krystalline, und nicht zur Sippung. Die ist im Winter oder besser: in der Winterung.

Ahja, also treffen zur Krystalline. 

Gesagt – getan. Es war ein Freitag Abend, zu welchem wir uns in Dortmund mit anderen Rittern, Junker und Knappen in einem wohlbekannte Dortmunder Biergarten trafen. 

Es war schönstes Sommerwetter.

Das Wetter spielte an diesem Freitag Abend 1997 mit (ganz schön lange her…). Ein laues Lüftchen wehte, ideal also für ein kühles Erfrischungsgetränk, dem Quell (oder auch Pilsken wie der Dortmunder sagen würde).

Den zweiten Ritter Schlaraffias, den ich dann kennen lernte, war der Ritter Ochjut, der gemütvolle Lyriker. Ein Ritter der Truÿmannia, so nennt sich der Verein in Dortmund. In Münster ist es die Mimegarda, da komme ich her.

Ritter Ochjut, der Pate.

Ritter Ochjut war ein Herr älteren Semesters, zu diesem Zeitpunkt schon über 70 Lenze. Ein kleinerer, leicht untersetzter Herr mit einer Brille in seinem lustigen und erfahrenem Gesicht. Mit leichtem Berliner Dialekt. Und auf der anderen Seite saß dann mein Ausbilder, der Ritter Ja klar.

So eingekesselt erzählte mir Ritter Ochjut eine ganze Menge über Schlaraffia und bekam dabei große, leuchtende Augen. 

Und jetzt sitze ich hier selbst und bekomme ebenfalls leuchtende Augen, wenn ich an meinen Start in der Schlaraffia zurück denke. Und ich hatte unsagbares Glück, dass ich so früh dazu gefunden habe.

Schlaraffia ist nicht die Gunst später Stunde.

Zur Schlaraffia finden indes leider nur wenige und dann zumeist (aus meiner Sicht gesehen) sehr spät, viel zu spät im Leben, was sehr schade ist.

Schlaraffia bietet sehr viel. Mehr als sich manch einer vorzustellen vermag. Und ja, natürlich: wir sind auch ein Verein mit all den Vor- und Nachteilen, die ein jeder Verein so mit sich bringt. Doch in erster Linie sind wir Schlaraffen. Und stolz darauf. Und das sieht man deutlich an der Roland-Nadel.

Schlaraffia im Netz

Wer an dieser Stelle schon etwas neugierig geworden ist, der findet auf www.schlaraffia.org oder aber auf www.schlaraffen-freunde.com mehr über Schlaraffen, die Schlaraffia und das schlaraffische Spiel. 

Und wer mal mit dabei sein möchte: unter www.mimegarda.de kann man sich gerne melden.

Wie man Schlaraffe wird oder was es mit der Roland-Nadel auf sich hat – darüber gibt es auch in Zukunft sicher noch einiges zu berichten. Darum: sapere aude!

 

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